Soja ist in Deutschland immer noch ein Exot. Mit dem Forschungsprojekt „1000 Gärten“ möchte der Sojahersteller Taifun und die Landeszuchtanstalt der Uni Hohenheim die asiatische Frucht heimisch machen – als Pflanze und als Lebensmittel und den ökologischen Sojaanbau in ganz Deutschland ausweiten. Denn bisher gedeiht die eiweißreiche Hülsenfrucht hierzulande vor allem in warmen Gegenden wie Südbaden. Doch wie reagiert die asiatische Bohne auf die unterschiedlichen klimatischen und geologischen Bedingungen zwischen Alpenrand und Waterkant?

Die Antwort soll ein Experiment liefern: mithilfe von freiwilligen Teilnehmern werden rund 1000 Sojakreuzungen an verschiedenen Standorten im ganzen Land angebaut und getestet. Ziel ist es, passende Sojasorten für jede Region in Deutschland zu finden – Sorten, die auch im rauen Klima des Nordens und in den Bergen Bayerns Früchte tragen. Nicht nur 1000, sondern 2.400 Hobby- und Profigärtner haben sich zur Teilnahme am Soja-Experiment angemeldet.

  Ich habe jetzt übrigens Sojapflänzchen zu Hause auf dem Fensterbrett stehen! Die ersten Bohnen wachsen schon!

Die Bohne polarisiert, Bilder von gerodetem Regenwald und ausgelaugten Böden dominieren. Doch nicht die Sojabohne ist das Problem, sondern die Art und Weise, wie sie angebaut und verwendet wird. Mit dieser agrarindustriellen Produktion, die überwiegend Soja als Futtermittel verarbeitet, hat der deutsche Anbau wenig zu tun.  Biologisch, regional und gentechnikfrei angebaut ist sie eine umweltfreundliche Pflanze, die den Boden gesund erhält. Sojapflanzen machen den Boden fruchtbar und lebendig. Sie liefern Nährstoffe ganz ohne Düngemittel, so wie andere Leguminosen auch (Klee, Erbsen) binden sie Stickstoff und bereiten den Boden optimal für nährstoffhungrige Pflanzen auf. Ein Anbau vor Ort spart Transportwege, unterstützt die regionale Landwirtschaft und leistet einen wichtigen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz. Der Vorteil vom heimischen Anbau: Während in den großen Sojaanbau-Ländern in Nord- und Südamerika der Einsatz von gentechnisch verändertem Saatgut dominiert, ist er in Europa verboten. 80% der in Deutschland verwendeten Sojabohnen kommen aus Übersee. Mit der Züchtung von Sojasorten für den biologischen Landbau in Deutschland machen wir uns unabhängig von mächtigen Saatgutkonzernen. Bio-Soja ganz ohne Gentechnik und Monokultur, für das kein Regenwald gerodet werden muss. Daher finde ich persönlich dieses Experiment sehr spannend – ich drücke die Daumen, dass es erfolgreich Früchte tragen wird!

   

Sehr lesenswert ist auch die Geschichte der Sojabohne, ich wusste zum Beispiel nicht, dass sich bereits im 19. Jahrhundert europäische Forscher mit ihr beschäftigt haben – und wir dann aber unsere Chance verpasst und an die Amerikaner verloren haben, die aus der Bohne eine Wunderbohne gemacht haben. Ihren Siegeszug im Ersten und Zweiten Weltkrieg, bei Henry Ford in der Autoproduktion, Sojazucht in der DDR bis hin zu Gentechnik. Es gibt vieles, was ich über die Bohne nicht wusste – und ihre Geschichte könnte einen ganzen Film füllen.

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