ve lové

Projekt nachhaltig leben

Category: Nachgefragt! (page 1 of 5)

Für unsere Rubrik “Nachgefragt!” führen wir regelmäßig Interviews mit Fachleuten, Experten, Autoren, mit Menschen, die uns zum Thema Nachhaltigkeit spannende und interessante Dinge erzählen können.

Nachgefragt! Alles über Knoblauch

Knoblauch ist nicht gleich Knoblauch. Das habe ich nun beim Besuch bei Knofi und so gelernt. Wer hätte gedacht, dass ich mich mal im Hochsommer auf einem Knoblauchfeld rumtreiben würde? Ich fand den Besuch bei Wina und Jonas hochspannend, habe doch einiges über die Wunderknolle gelernt und weiß sie nun noch mehr zu schätzen als vorher schon. Die gesundheitsfördernde Wirkung ist gemeinhin bekannt, so hat er antibakterielle und antibiotische Wirkung. Er verbessert den Bluttransport und enthält Vitamin C, B und A.

P1020584  P1020582  P1020581

Ausgerechnet der gesunde Inhaltsstoff des Knoblauchs, das Allicin (chemisch: Diallyldisulfidoxid), ist im weiteren Sinne für den unangenehmen Geruch nach dem Knoblauchverzehr verantwortlich. Dem Stoff, der beim Schneiden und Pressen von Knoblauch entsteht, werden antibakterielle, entzündungshemmende und Blutfett-senkende Wirkungen nachgesagt. Auch antithrombotische Effekte wurden in Laborversuchen nachgewiesen. Unter Sauerstoff zerfällt Allicin in weitere Schwefelverbindungen, die dann zu dem typischen Knoblauchgeruch führen. Das ist aber nicht meine größte Sorge, bei der Vorbereitung des Interviews bin ich darauf gestoßen, dass Pestizide und Schimmelpilze ein Problem sein könnten – gerade bei Produkten aus China. Und unser Knoblauch aus dem Supermarkt kommt größtenteils aus Spanien und China und nicht vom Feld aus Hessen.

P1020597  P1020588  P1020593

Ich überlege ernsthaft, das Experiment zu wagen, Knoblauch auf meinem Balkon wachsen zu lassen – damit ich meinen eigenen frischen habe.  Eingedeckt habe ich mich mit leckerem Aioli von Wina und ein paar Knollen. Schön, dass Wina und Jonas sich so dem regionalen Anbau verschrieben haben. Wenn ihr in der Gegend unterwegs seid, lohnt es sich auf jeden Fall bei ihnen vorbeizuschauen und sich mit Leckereien einzudecken!

Nachgefragt! Alte Handys für die Havel

„Das Handy ist das Filetstück des Elektroschrotts. Ich kenne kein anderes Gerät, das auf so kleinem

Raum so viele wichtige Rohstoffe anhäuft.“

(Herbert Köpnick, Bayerisches Umweltministerium)

Smartphones und Computer werden immer schneller aussortiert und durch das neueste Modell ersetzt. Finanzielle Anreize der Mobilfunkanbieter haben den regelmäßigen Austausch gefördert: im Durchschnitt wird ein Smartphone maximal zwei Jahre lang genutzt. Rund 120 Millionen ungenutzte Mobiltelefone schlummern in deutschen Schubladen. Dabei sind sie wahre Goldgruben: eine Tonne Handys enthält 50mal so viel Gold wie eine Tonne Erz. Insgesamt können etwa 80 Prozent der Bestandteile eines Handys wiederverwertet werden. Dadurch gehen wertvolle Rohstoffe, die einst der Natur entnommen wurden, nicht verloren.

Allein die jährliche weltweite Handyproduktion ohne Smartphones verbraucht 16.000 Tonnen Kupfer, 6.800 Tonnen Kobalt und 43 Tonnen Gold, hinzukommen Rohstoffe wie Tantal und Palladium.

Doch von den cirka zwei Millionen Tonnen ausrangierter Elektrogeräte in Deutschland erreichen nur 40 Prozent die Wertstoffhöfe. Vieles landet im Hausmüll, obwohl das vor allem wegen der Giftstoffe in den Geräten gesetzlich verboten ist und letztlich in der Müllverbrennung, deren Filter jedoch nicht für Elektroschrott ausgelegt sind. Noch 2008 gelangten 155.000 Tonnen illegal nach Afrika, wo Kinder die kostbaren Metalle aus dem Plastik herausgebrannt haben, unter den Dämpfen von Schwermetallen und Flammschutzmitteln. Dabei könnten Recyclingunternehmen viele der vorhandenen Metalle zurückgewinnen. So gewonnenes Kupfer verbraucht nur die Hälfte der Energie einer Erzförderung. Ziel ist es, auch das Recycling von Seltenen Erden wie Tantal und Palladium zu verbessern.

Altgeräte gehören also nicht in den Restmüll: Recyclinghöfe und Sammelstellen, auch von der Deutschen Post und auch die großen Elektronikhändler nehmen kaputte Technik zurück. Für Handys gibt es auch besondere Sammelinitiativen, zum Beispiel vom NABU.  In Zusammenarbeit mit einem Telefonanbieter sammelt der Naturschutzbund alte Geräte, für jedes Handy erhält der Verein eine Spende von 1,60 Euro. Diese Gelder fließen in die Renaturierung der Havel und somit in den Erhalt des größten zusammenhängenden und ökologisch bedeutsamsten Feuchtgebiets im Binnenland des westlichen Mitteleuropas. Für die Schifffahrt wurde der Fluss einst begradigt, gegen das Hochwasser eingedeicht und Auenwald gerodet. Viele schützenswerte Arten sind mittlerweile akut vom Aussterben bedroht. 2005 startete der NABU das größte europäische Renaturierungs-Projekt eines Flusses – Ziel ist es, die enorme Artenvielfalt der Region zu erhalten, die einzigartige Auenlandschaft wieder herzustellen sowie die Lebensbedingungen in und an der Havel zu verbessern.

Der Auenwald, einer der am stärksten gefährdeten Lebensräume in Europa, trägt bei Hochwasser zur Selbstreinigung des Wassers bei und bietet Platz für viele Tier- und Pflanzenarten. Hunderttausende Zugvögel, die an das Wasser gebunden sind, finden hier Nahrung und tanken Kraft für den weiteren Flug.

Sabine Lemke vom NABU hat sich mit mir über die Aktion unterhalten und das System der Handyrückgabe geklärt. Wer sich informieren möchte, welche andere Spendenmöglichkeiten es gibt, kann hier vorbeischauen: https://www.handyverkauf.net/knowledgebase/handy-spenden

Wie ihr seht, gibt es verschiedene Projekte, die man unterstützen kann. Ich persönlich habe die Havel-Renaturierung ausgewählt, da ich ein regionales Projekt unterstützen wollte. Und die Havel liegt nun mal bei uns hier in Berlin direkt vor der Haustür. Übrigens – mein aktuelles Smartphone benutze ich mittlerweile seit sechs Jahren, auch wenn mich alle mitleidig belächeln.

 

Nachgefragt! Alles über Pelz Teil 2

Heute gibt es den zweiten Teil des Interviews, dass ich mit Lucas vom Deutschen Tierschutzbüro führen durfte. In diesem Teil geht es unter anderem auch um Pelz von Wildtieren. Ich habe bei einem Outdoor-Versand unter anderem Pelz von Koyoten entdeckt. Auf meine Anfrage hin, warum sie Pelz im Sortiment haben, bekam ich diese Antwort:

 

“Canada Goose verwendet Pelze seit jeher aus funktionellen Gründen:

Pelz schützt das Gesicht vor Erfrierung mittels umschlossener Luft

Pelz friert nicht ein, wenn er feucht wird

Pelz hält den Wind vom Gesicht fern”

Aha. Weiter geht es zum Thema Koyoten:

“Pro Jahr werden in Kanada rund 400.000 Koyoten zum Abschuss freigegeben, um eine nachhaltige Bestandskontrolle der Tiere zu gewährleisten und das natürliche Gleichgewicht zu erhalten. Die Pelze stammen ausschließlich von frei gejagten Koyoten, gejagt nach den Regeln des Agreement on Humane Trapping Standards (Einhaltung strengster Standards für Jagd, Abschussquoten, Jagdlizensierung und Qualifizierungsmaßnahmen für Jäger staatlicher Organe, sowie Überprüfung der Standards durch die kanadische Regierung mit Hilfe von Biologen und Wildhütern). Pelz ist ein nachwachsendes Naturprodukt – “Fake Fur” ist ein synthetisches Produkt aus Erdöl. Die Herstellung von Kunstpelz verbraucht viel Energie, er ist schwer zu recyceln und nicht biologisch abbaubar.”

Ihr werdet es kaum glauben, aber diese Argumente haben mich irgendwie nicht überzeugt. Als ob die Herstellung eines richtigen Pelzes keine Energie benötigt, ganz zu schweigen des Transports der Felle aus Kanada nach weiß ich wohin zur Verarbeitung und dann nachher in die Läden. Und nach den ganzen eingesetzten Chemikalien  (durch Gerbungsprozesse wird ein Naturprodukt vor der Verwesung bewahrt) ist auch ein Echtpelz sicherlich nicht mehr ohne weiteres biologisch abbaubar.

Was mich aber am meisten auf die Palme bringt, ist das Agreement on Humane Trapping Standards. Was heißt das genau? Lucas hat uns ja erklärt, dass kein Tier geschossen wird, denn dann haben wir ein Loch im Pelz. Also? Richtig – Fallenstellen. Dieser Katalog verkauft also Ware, deren Pelztiere zwar vorher in Freiheit gelebt haben, dann aber in Fallen gefangen wurden. Da gibt es Totfangfallen und Lebendfangfallen. Meine “Freunde”, die Jäger, haben dazu einen eigenen Artikel veröffentlicht. Etwas anders sehen das die Kollegen von Peta.

Ich habe dem Katalogkundenservice geantwortet und gefragt, ob sie eigentlich hinter dem stehen, was sie da schreiben und habe den Katalog abbestellt. Zugleich wollte ich aber noch wissen, ob sie eigentlich wissen, welche Fallen bei den Koyoten verwendet werden. Beziehungsweise auch bei den anderen Tierpelzsorten, die sie führen. Und wie die Tiere getötet werden:

“Liebe Frau xxx,
haben Sie recht herzlichen Dank für Ihre schnelle Rückmeldung.
Ich habe tatsächlich noch Rückfragen, denn ich habe dieses Agreement on Humane Trapping Standards mal recherchiert und was sich dahinter verbirgt, ist Jagd mit Fallenstellung. Ich bin mir nicht sicher, ob Sie und Ihr Arbeitgeber das tatsächlich als tierfreundlich bezeichnen möchten.
Als nachwachsendes Naturprodukt würde ich Pelz auch nicht bezeichnen, denn ich glaube nicht, dass die Herstellung eines richtigen Pelzes keine Energie benötigt, ganz zu schweigen des Transports der Felle aus Kanada nach weiß ich wohin zur Verarbeitung und dann nachher in die Läden. Und nach den ganzen eingesetzten Chemikalien  (durch Gerbungsprozesse wird ein Naturprodukt vor der Verwesung bewahrt) ist auch ein Echtpelz sicherlich nicht mehr ohne weiteres biologisch abbaubar. Ganz im Gegenteil.
Wissen Sie, wie die Koyoten gefangen werden, in Totfangfallen oder in Lebendfallen? Wie oft werden die Fallen kontrolliert? Wie werden die Tiere getötet, falls sie die Fallen überleben? Mit Abgasen erstickt oder mit Elektroschocks? Ich glaube nicht, dass die Methoden da andere sind als bei anderen Pelztieren.
Wie sieht es mit den anderen Pelzprodukten aus, die xxx vertreibt? Fuchs zum Beispiel?
Ich freue mich über weitere Informationen zu Ihren Produkten und sende beste Grüße aus Berlin
Marina Wenk”
Leider habe ich auf diese Nachfrage bisher keine Antwort erhalten. Ich rechne auch nicht mehr mit einer.
Ich danke Euch für Euer Interesse zu diesem Thema und ich hoffe, dass die Informationen über die Machenschaften der Pelzindustrie mehr und mehr Leute erreichen werden. Und zukünftige Generationen sich darüber wundern, was wir Menschen damals alles grausiges gemacht haben – denn sie werden hoffentlich keine Prdoukte aus Tierleid und Tierqual mehr tragen.

Nachgefragt! Alles über Pelz Teil 1

Gestern bin ich an einem Schaufenster vorbeigelaufen und musste den Kopf über den Werbeslogan schütteln: “It’s Outdoor Time!” Ich weiß ja nicht, wie es Euch geht, aber bei mir ist eigentlich immer Outdoor-Time und nicht nur jetzt im Herbst. Nun ja, aufmerksam gemacht werden soll natürlich auf die neuen Winterjacken, Schals, Mützen und Handschuhe, die eine mollig-warme Outdoor-Time ermöglichen. Leider sehe ich aber in den letzten Jahren auf einmal wieder Pelz in den Läden und Katalogen. Und frage mich, wie konnte das passieren? Als ich klein war, da war das mal richtig verpönt und es war aus den herkömmlichen Läden raus. Keiner trug Pelz.

Und heute tragen es wieder erschreckend viele. Ob wissentlich oder unwissentlich, die Anzahl der Pelzträger ist der einzige Grund, warum ich den Herbst und den Winter nicht mag. Weil die Leute ihre Jacken mit Pelzbesatz und Mützen mit Pelzbommel wieder rausholen und ich mich so sehr zusammenreißen muss, nicht mit jeder Person auf der Straße eine kleine Unterhaltung anzufangen. Und gerade auch bei diesem Thema fällt es so schwer, nicht komplett den Glauben an die Menschheit zu verlieren. Wer braucht denn heute noch Pelz? Warum ist es auf einmal wieder chic? Kümmert das Leid der Pelztiere heute wirklich die Konsumenten nicht mehr? War das Comeback vom Pelz ein schleichender Prozess oder von heute auf morgen?

Beantworten kann mir diese Fragen niemand, aber Lucas vom Deutschen Tierschutzbüro hat sich Zeit für ein gemeinsames Gespräch genommen und mir einiges zum Thema Pelz erzählt.  Informationen und Kampagnen gibt es bei allen deutschen Tierschutzorganisationen, denn leider ist es halt wieder ein großes Thema. Ich freue mich über jeden Menschen auf der Straße, der pelzfrei unterwegs ist. Ich hoffe, ihr seid es auch!

Natürlich kann man auf Kunstpelz zurückgreifen. Das Problem liegt hier aber in der fehlenden Transparenz, der Verbraucher kann in den meisten Fällen nicht klar erkennen, ob es sich um ein Kunstprodukt oder einen echten Pelz handelt. Für Pelze gibt es in Deutschland weder ein unabhängiges staatliches Prüfsiegel, noch eine sichere Deklaration, die zweifelsfrei darüber Auskunft gibt, woher die Pelze stammen oder um welche Tierart es sich genau handelt. Hundertprozentig feststellen lässt sich die Tierart daher nur mit teuren DNA-Tests. Bei Echtpelz sollte laut EU-Textilkennzeichnungsverordnung auf einem Etikett in der Kleidung eigentlich der Hinweis stehen: „Enthält nichttextile Teile tierischen Ursprungs“. Dieser Hinweis gilt allerdings auch für alle Produkte, die mit Lederpatches oder Hornknöpfen verziert sind oder Daunen enthalten. Für den Verbraucher ist deshalb eine eindeutige Materialbestimmung am Bekleidungsstück sehr schwierig. Parkas oder Mützen mit Echtpelz sind häufig falsch oder gar nicht deklariert.  Doch selbst wenn die Tierart bei einem Produkt angegeben ist, fehlen in der Regel Angaben zur geographischen Herkunft oder der Tierhaltung.

Auch der Preis ist hierbei nicht unbedingt ein Anhaltspunkt, da gut gemachter Kunstpelz teurer sein kann als eine günstige Jacke mit Pelz aus China. Dort werden Jahr für Jahr schätzungsweise 70 Millionen Nerze, Füchse, Marderhunde sowie 2 Millionen Hunde und Katzen ihres Felles wegen getötet. China ist heute der weltweite Hauptproduzent und Hauptumschlagplatz von Rohpelzen. Chinesische Pelzhändler sind mittlerweile auch die dominierenden Einkäufer auf großen Pelzauktionen in Skandinavien, Russland und Nordamerika. Die auf diesen Auktionen ersteigerten Pelze gehen zur Reinigung, Gerbung, Färbung und zum Zuschnitt zunächst nach China und werden anschließend an internationale Modeunternehmen verkauft. Als Pelzbesätze an Jacken landen die Felle der getöteten Tiere schließlich in Geschäften in aller Welt. Der Handel mit Hunde- und Katzenfellen ist seit dem 1. Januar 2009 in Europa verboten. Dennoch können sich hinter bestimmten Tarnnamen eben diese Produkte verbergen. Mal ganz abgesehen vom Tierleid: Modeartikel aus Tierplezen sind starkt mit giftigen Chemiekalien belastet.  Nachdem ein Tier getötet wurde, behandelt man die Haut mit giftigen Chemikalien, wie Schwefelsäure, Ammoniumchlorid oder Bleiazetate, um ein Zersetzen oder Schimmeln zu verhindern. Bei der Zurichtung der Pelze, wie beispielsweise beim Weichen, Waschen, Entfleischen, und bei der Behandlung mit Säuren, Laugen oder Schwermetallen, kommen dutzende ätzender und umweltschädlicher Stoffe zum Einsatz. Nicht nur die Arbeiter, die ohne Schutzmaßnahmen mit den gefährlichen Stoffen Tag für Tag umgehen müsssen, sondern letzten Endes auch die Träger der Pelzprodukte nehmen über die Haut und die Atemwege diese Chemikalien auf.  Dass auch die Umwelt darunter und unter der Pelztierzucht leidet, muss ich eigentlich nicht noch extra erwähnen.

Ein paar Anhaltspunkte gibt es, woran man Echtpelz von Kunstpelz unterscheiden kann. Hilfreich finde ich auch eine Liste zur Bezeichnungen in der Pelzbranche und ihre Bedeutung. Hund oder Katze kommt da gar nicht so selten vor. Sogar Robben und Eichhörnchen finden sich auf dieser grausigen Namensvertuschungsliste. Das Fur Free Retailer Programm zeigt an, wo man pelzfrei einkaufen kann.

Das Deutsche Tierschutzbüro wird in den nächsten Monaten die Kampagne “Bogner tötet” fortsetzen. Ihr könnt bei den Protestaktionen vor Ort unterstützen!

PS: Manchmal kann ich es einfach nicht bleiben lassen, Menschen auf der Straße dann doch mal anzusprechen und zu fragen, welches Tier sie da tragen. Oder ob sie ihren alten Hund in einen Pelzkragen haben umwandeln lassen und das mit ihrem jetzigen auch vorhaben. Vielleicht nicht gerade nett, die Leute so anzugehen. Aber manchmal geht es mit mir durch. Eine gute Hilfe sind die Aktionskarten “Schöner Pelz“, die ich jetzt schon seit Jahren verteile und immer in meiner Jackentasche dabei habe – die kann man höflich überreichen und für sich sprechen lassen, ganz ohne Diskussion. Daher überkommt es mich ja nur noch manchmal…

 

Nachgefragt! Alles über Soja Teil 2

Sie ist eine der ältesten Kulturpflanzen der Welt: Bereits vor mehreren Tausend Jahren wird die Sojabohne in China zum ersten Mal angebaut, gelangt dann – vermutlich über buddhistische Einflüsse – nach Japan und verbreitet sich in ganz Ostasien. Bis heute ist die eiweißreiche Hülsenfrucht von großer Bedeutung in der asiatischen Esskultur. Und auch bei uns Veganern befindet sie sich in vielfältiger Form auf unserem Speiseplan.

In Deutschland ist sie teilweise umstritten, zum Beispiel wegen der sekundären Pflanzenstoffe Isoflavone. Was hat es damit auf sich? Ernährungsberater Niko Rittenau hat mir in diesem Interview einiges zu diesen Vorwürfen erzählt.

Die Sojabohne ist prall gefüllt mit hochwertigem pflanzlichem Eiweiß, zudem enthält sie zahlreiche Mineralstoffe, einfach und mehrfach ungesättigte Fettsäuren und ist reich an Vitaminen und Lecithin. Steht der Sojabohne eine ähnliche Erfolgsgeschichte wie der Kartoffel bevor, die auch hierzulande völlig unbekannt war und heute vom deutschen Speiseplan nicht mehr wegzudenken ist? Ich bin gespannt auf die Entwicklung in den nächsten Jahren.

Übrigens gibt es bei Taifun einen neuen leckeren Tofu im Sortiment, den wir beim Blogger-Lunch in den Prinzessinnengärten probieren durften. Es war wahnsinnig köstlich – schade, dass ich nicht jeden Tag so bekocht werde!

   

Nachgefragt! Alles über Soja Teil 1

Soja ist in Deutschland immer noch ein Exot. Mit dem Forschungsprojekt „1000 Gärten“ möchte der Sojahersteller Taifun und die Landeszuchtanstalt der Uni Hohenheim die asiatische Frucht heimisch machen – als Pflanze und als Lebensmittel und den ökologischen Sojaanbau in ganz Deutschland ausweiten. Denn bisher gedeiht die eiweißreiche Hülsenfrucht hierzulande vor allem in warmen Gegenden wie Südbaden. Doch wie reagiert die asiatische Bohne auf die unterschiedlichen klimatischen und geologischen Bedingungen zwischen Alpenrand und Waterkant?

Die Antwort soll ein Experiment liefern: mithilfe von freiwilligen Teilnehmern werden rund 1000 Sojakreuzungen an verschiedenen Standorten im ganzen Land angebaut und getestet. Ziel ist es, passende Sojasorten für jede Region in Deutschland zu finden – Sorten, die auch im rauen Klima des Nordens und in den Bergen Bayerns Früchte tragen. Nicht nur 1000, sondern 2.400 Hobby- und Profigärtner haben sich zur Teilnahme am Soja-Experiment angemeldet.

  Ich habe jetzt übrigens Sojapflänzchen zu Hause auf dem Fensterbrett stehen! Die ersten Bohnen wachsen schon!

Die Bohne polarisiert, Bilder von gerodetem Regenwald und ausgelaugten Böden dominieren. Doch nicht die Sojabohne ist das Problem, sondern die Art und Weise, wie sie angebaut und verwendet wird. Mit dieser agrarindustriellen Produktion, die überwiegend Soja als Futtermittel verarbeitet, hat der deutsche Anbau wenig zu tun.  Biologisch, regional und gentechnikfrei angebaut ist sie eine umweltfreundliche Pflanze, die den Boden gesund erhält. Sojapflanzen machen den Boden fruchtbar und lebendig. Sie liefern Nährstoffe ganz ohne Düngemittel, so wie andere Leguminosen auch (Klee, Erbsen) binden sie Stickstoff und bereiten den Boden optimal für nährstoffhungrige Pflanzen auf. Ein Anbau vor Ort spart Transportwege, unterstützt die regionale Landwirtschaft und leistet einen wichtigen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz. Der Vorteil vom heimischen Anbau: Während in den großen Sojaanbau-Ländern in Nord- und Südamerika der Einsatz von gentechnisch verändertem Saatgut dominiert, ist er in Europa verboten. 80% der in Deutschland verwendeten Sojabohnen kommen aus Übersee. Mit der Züchtung von Sojasorten für den biologischen Landbau in Deutschland machen wir uns unabhängig von mächtigen Saatgutkonzernen. Bio-Soja ganz ohne Gentechnik und Monokultur, für das kein Regenwald gerodet werden muss. Daher finde ich persönlich dieses Experiment sehr spannend – ich drücke die Daumen, dass es erfolgreich Früchte tragen wird!

   

Sehr lesenswert ist auch die Geschichte der Sojabohne, ich wusste zum Beispiel nicht, dass sich bereits im 19. Jahrhundert europäische Forscher mit ihr beschäftigt haben – und wir dann aber unsere Chance verpasst und an die Amerikaner verloren haben, die aus der Bohne eine Wunderbohne gemacht haben. Ihren Siegeszug im Ersten und Zweiten Weltkrieg, bei Henry Ford in der Autoproduktion, Sojazucht in der DDR bis hin zu Gentechnik. Es gibt vieles, was ich über die Bohne nicht wusste – und ihre Geschichte könnte einen ganzen Film füllen.

Older posts

© 2017 ve lové

Theme by Anders NorenUp ↑

By continuing to use the site, you agree to the use of cookies. more information

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close