Gestern bin ich an einem Schaufenster vorbeigelaufen und musste den Kopf über den Werbeslogan schütteln: “It’s Outdoor Time!” Ich weiß ja nicht, wie es Euch geht, aber bei mir ist eigentlich immer Outdoor-Time und nicht nur jetzt im Herbst. Nun ja, aufmerksam gemacht werden soll natürlich auf die neuen Winterjacken, Schals, Mützen und Handschuhe, die eine mollig-warme Outdoor-Time ermöglichen. Leider sehe ich aber in den letzten Jahren auf einmal wieder Pelz in den Läden und Katalogen. Und frage mich, wie konnte das passieren? Als ich klein war, da war das mal richtig verpönt und es war aus den herkömmlichen Läden raus. Keiner trug Pelz.

Und heute tragen es wieder erschreckend viele. Ob wissentlich oder unwissentlich, die Anzahl der Pelzträger ist der einzige Grund, warum ich den Herbst und den Winter nicht mag. Weil die Leute ihre Jacken mit Pelzbesatz und Mützen mit Pelzbommel wieder rausholen und ich mich so sehr zusammenreißen muss, nicht mit jeder Person auf der Straße eine kleine Unterhaltung anzufangen. Und gerade auch bei diesem Thema fällt es so schwer, nicht komplett den Glauben an die Menschheit zu verlieren. Wer braucht denn heute noch Pelz? Warum ist es auf einmal wieder chic? Kümmert das Leid der Pelztiere heute wirklich die Konsumenten nicht mehr? War das Comeback vom Pelz ein schleichender Prozess oder von heute auf morgen?

Beantworten kann mir diese Fragen niemand, aber Lucas vom Deutschen Tierschutzbüro hat sich Zeit für ein gemeinsames Gespräch genommen und mir einiges zum Thema Pelz erzählt.  Informationen und Kampagnen gibt es bei allen deutschen Tierschutzorganisationen, denn leider ist es halt wieder ein großes Thema. Ich freue mich über jeden Menschen auf der Straße, der pelzfrei unterwegs ist. Ich hoffe, ihr seid es auch!

Natürlich kann man auf Kunstpelz zurückgreifen. Das Problem liegt hier aber in der fehlenden Transparenz, der Verbraucher kann in den meisten Fällen nicht klar erkennen, ob es sich um ein Kunstprodukt oder einen echten Pelz handelt. Für Pelze gibt es in Deutschland weder ein unabhängiges staatliches Prüfsiegel, noch eine sichere Deklaration, die zweifelsfrei darüber Auskunft gibt, woher die Pelze stammen oder um welche Tierart es sich genau handelt. Hundertprozentig feststellen lässt sich die Tierart daher nur mit teuren DNA-Tests. Bei Echtpelz sollte laut EU-Textilkennzeichnungsverordnung auf einem Etikett in der Kleidung eigentlich der Hinweis stehen: „Enthält nichttextile Teile tierischen Ursprungs“. Dieser Hinweis gilt allerdings auch für alle Produkte, die mit Lederpatches oder Hornknöpfen verziert sind oder Daunen enthalten. Für den Verbraucher ist deshalb eine eindeutige Materialbestimmung am Bekleidungsstück sehr schwierig. Parkas oder Mützen mit Echtpelz sind häufig falsch oder gar nicht deklariert.  Doch selbst wenn die Tierart bei einem Produkt angegeben ist, fehlen in der Regel Angaben zur geographischen Herkunft oder der Tierhaltung.

Auch der Preis ist hierbei nicht unbedingt ein Anhaltspunkt, da gut gemachter Kunstpelz teurer sein kann als eine günstige Jacke mit Pelz aus China. Dort werden Jahr für Jahr schätzungsweise 70 Millionen Nerze, Füchse, Marderhunde sowie 2 Millionen Hunde und Katzen ihres Felles wegen getötet. China ist heute der weltweite Hauptproduzent und Hauptumschlagplatz von Rohpelzen. Chinesische Pelzhändler sind mittlerweile auch die dominierenden Einkäufer auf großen Pelzauktionen in Skandinavien, Russland und Nordamerika. Die auf diesen Auktionen ersteigerten Pelze gehen zur Reinigung, Gerbung, Färbung und zum Zuschnitt zunächst nach China und werden anschließend an internationale Modeunternehmen verkauft. Als Pelzbesätze an Jacken landen die Felle der getöteten Tiere schließlich in Geschäften in aller Welt. Der Handel mit Hunde- und Katzenfellen ist seit dem 1. Januar 2009 in Europa verboten. Dennoch können sich hinter bestimmten Tarnnamen eben diese Produkte verbergen. Mal ganz abgesehen vom Tierleid: Modeartikel aus Tierplezen sind starkt mit giftigen Chemiekalien belastet.  Nachdem ein Tier getötet wurde, behandelt man die Haut mit giftigen Chemikalien, wie Schwefelsäure, Ammoniumchlorid oder Bleiazetate, um ein Zersetzen oder Schimmeln zu verhindern. Bei der Zurichtung der Pelze, wie beispielsweise beim Weichen, Waschen, Entfleischen, und bei der Behandlung mit Säuren, Laugen oder Schwermetallen, kommen dutzende ätzender und umweltschädlicher Stoffe zum Einsatz. Nicht nur die Arbeiter, die ohne Schutzmaßnahmen mit den gefährlichen Stoffen Tag für Tag umgehen müsssen, sondern letzten Endes auch die Träger der Pelzprodukte nehmen über die Haut und die Atemwege diese Chemikalien auf.  Dass auch die Umwelt darunter und unter der Pelztierzucht leidet, muss ich eigentlich nicht noch extra erwähnen.

Ein paar Anhaltspunkte gibt es, woran man Echtpelz von Kunstpelz unterscheiden kann. Hilfreich finde ich auch eine Liste zur Bezeichnungen in der Pelzbranche und ihre Bedeutung. Hund oder Katze kommt da gar nicht so selten vor. Sogar Robben und Eichhörnchen finden sich auf dieser grausigen Namensvertuschungsliste. Das Fur Free Retailer Programm zeigt an, wo man pelzfrei einkaufen kann.

Das Deutsche Tierschutzbüro wird in den nächsten Monaten die Kampagne “Bogner tötet” fortsetzen. Ihr könnt bei den Protestaktionen vor Ort unterstützen!

PS: Manchmal kann ich es einfach nicht bleiben lassen, Menschen auf der Straße dann doch mal anzusprechen und zu fragen, welches Tier sie da tragen. Oder ob sie ihren alten Hund in einen Pelzkragen haben umwandeln lassen und das mit ihrem jetzigen auch vorhaben. Vielleicht nicht gerade nett, die Leute so anzugehen. Aber manchmal geht es mit mir durch. Eine gute Hilfe sind die Aktionskarten “Schöner Pelz“, die ich jetzt schon seit Jahren verteile und immer in meiner Jackentasche dabei habe – die kann man höflich überreichen und für sich sprechen lassen, ganz ohne Diskussion. Daher überkommt es mich ja nur noch manchmal…