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Projekt nachhaltig leben

Vegan in Breslau / Wroclaw

Vegan in Polen – das wird schwierig. Irrtum kann ich da nur sagen, denn in Breslau war das absolut kein Problem. Ganz im Gegenteil, direkt im Stadtzentrum gibt es das älteste vegane Restaurant der Stadt. Aber von Anfang…

Nach Breslau sind wir mit dem Kulturzug gefahren. Letztes Jahr war die Stadt Kulturhauptstadt Europas und daher fährt wochenends von Berlin-Lichtenberg, also direkt vor unserer Haustür, der Kulturzug der Deutschen Bahn ab. Ein günstiges Angebot aber auch wahnsinnig nett, denn im Zug gibt es eine Bibliothek, ein Quiz und unterschiedliche kulturelle Angebote. Auf unserer Tour gab es zum Beispiel eine Tarotkartensitzung zum Thema Staub. Zugfahren war noch nie so kurzweilig wie auf dieser Tour! Da das Angebot so gut angenommen wird, fährt der Kulturzug noch bis Ende 2018. Eine Strecke kostet 19 Euro.

 

Gewohnt haben wir auch recht günstig in einer Ferienwohnung direkt am Marktplatz. Zentraler geht es nicht und wir haben uns im Supermarkt fürs Frühstück eingedeckt.

 

Kochen mussten wir durch die vielen Essensmöglichkeiten nicht. Das Essen war günstig und unglaublich lecker. Für zwei Hauptgänge, Vorspeise und Getränke haben wir meistens nur 15 Euro bezahlt.

Unsere Favoriten:

Das Vega, direkt am Marktplatz und nur wenige Schritte von unserer Ferienwohnung entfernt. Ich hatte gelesen, dass das Essen fad schmecken würde und die Portionen klein wären. Letzteres mag bedingt zutreffen, aber fad hat es an keinem Tag geschmeckt. Aufgrund des Blogartikels, den ich vor unserer Abreise gelesen hatte, haben wir am ersten Tag im zweiten Stock gegessen, wo es internationale Küche gibt. Das war auch lecker, aber viel spannender fand ich das Erdgeschoss – denn dort gibt es polnische Küche veganisiert. Ich kann Euch nur sagen – esst die Piroggen nicht so wie wir am letzten Tag! Esst sie täglich, mehrmals! 😉

Dann waren wir in der Pizzeria Piec na Szewskiej. Eine Empfehlung des besagten Blogs und es war sehr lecker und es gab gute Portionen. Dort waren wir zwei Mal zum Essen.

Dann haben wir durch Zufall noch das Alladyn entdeckt, das Essen dort war auch sehr gut und die Portionen reichlich.

Was hat mir an der Stadt gefallen? Dass man zu Fuß überall hinlaufen kann und sich einfach durch diese wunderschöne Stadt treiben lässt. Die Zwerge, die einem überall in der Stadt begegnen. Oder aber das Denkmal zu Ehren der geschlachteten Tiere – so ein Denkmal habe ich bisher sonst noch nirgendwo gesehen. Breslau ist eine Studentenstadt und wirkt sehr jung und aufgeschlossen. Ich habe mich dort sehr wohl gefühlt und kann die Stadt für einen Kurztrip sehr empfehlen.

Unsere Kleidung und Kinderarbeit

Heute kommt der vierte und letzte Teil der Interviewreihe zum Thema Kleidertauschen, Fast Fashion und Kleiderwandel. Ich bin froh, dass ich dieses Thema behandeln konnte, denn das stand schon sehr lange auf meiner Liste. Gunda ist  ehrenamtliche Mitarbeiterin bei UNICEF Berlin und hat mir in diesem Video viele Aspekte der Kinderarbeit aufgezeigt. Ich denke bei Kinderarbeit meistens an Kinder, die Kleider nähen müssen. Aber natürlich ist das Spektrum viel weiter und reicht von Arbeit in der Saatgutindustrie bis hin zum Schürfen in Goldminen. Außerdem erzählt Gunda mir von Kinderarbeit unter Flüchtlingskindern und inwiefern auch das Marketing der Unternehmen bzw. deren Werbung mehr auf Kinderrechte achten sollte.  Ganz hoffnungslos lässt auch Gunda uns zum Glück nicht zurück und berichtet von Positivbeispielen. Auf der Seite Aktiv gegen Kinderarbeit kann man zum Beispiel sehen, wo man kinderarbeitsfreie Schokolade beziehen kann. Und hier geht es zu einem Download zum Thema Kinderrechte in deutschen Unternehmensaktivitäten.

Hier sind noch zusätzliche Informationen zum Thema, mit denen Gunda mich versorgt hat:

Zurzeit sind weltweit etwa 152 Millionen Kinder und Jugendliche zwischen fünf und 17 Jahren Opfer von Kinderarbeit, davon sind sogar über zwei Drittel jünger als 15 Jahre und etwa die Hälfte arbeitet unter besonders gefährlichen oder ausbeuterischen Bedingungen. Die Zahl von 152 Millionen Kinderarbeitern ist erschreckend, konnte aber seit dem Jahre 2000 um mehr als ein Drittel reduziert werden. Gleichzeitig gibt es zurzeit aber wieder mehr Fälle von Kinderarbeit aufgrund der vielen Konflikte und Krisen, die mehr als 30 Millionen Kinder entwurzelt und zur Flucht zwingt. In den Flüchtlingslagern in Jordanien konnten auch Ehrenamtliche von UNICEF Berlin arbeitende Flüchtlingskinder in von UNICEF unterstützten Lernzentren kennenlernen.

UNICEF setzt sich weltweit gegen ausbeuterische Kinderarbeit ein; diese ist verboten, wenn es sich um Arbeit handelt, für die Kinder zu jung sind, weil sie entweder gefährlich, ausbeuterisch sind, oder die körperliche, seelische oder soziale Entwicklung schädigen. Ein Kind darf durch die Arbeit auch keinesfalls vom Schulbesuch abgehalten werden. Die UN-Kinderrechtskonvention, die von fast allen Ländern der Welt ratifiziert wurde, verbrieft den Kindern das Recht auf Bildung und den Schutz vor ausbeuterischer Arbeit. Weitere optionale Zusatzprotokolle erleichtern ein einheitliches, aber verstärktes Vorgehen gegen die schlimmsten Formen der Kinderausbeutung wie Kinderprostitution, Kinderhandel sowie Kindersoldaten.

In der Bekleidungsindustrie besteht einerseits ein großes Risiko für Kinderarbeit, andererseits führte der öffentliche Druck in der Vergangenheit bereits dazu, dass viele große Firmen die Kinderarbeit in eigenen oder zuliefernden Betrieben verboten haben und die Einhaltung von Verhaltenskodexen verlangen. Dieses auch durch Medien und Konsumenten ausgelöste Engagement ist wichtig, aber leider sind die Lieferketten oft zu lang oder komplex für effektive Maßnahmen. So tritt Kinderarbeit immer noch in den kleinen Zulieferbetrieben der Textilindustrie, aber auch auf den Baumwollfeldern und in der Saatgutindustrie auf. Die Familien sind oft sehr arm und hochverschuldet und es bleibt für sie oft keine andere Wahl als dass die Kinder für das Familieneinkommen sorgen; dies jedoch in oft langen Arbeitszeiten und durch gesundheitsgefährdende Tätigkeiten.

 

Zeit zum Entgiften – Kleiderdetox

Findet Greenpeace und setzt sich unter anderem mit der Kleiderwandel-Tauschparty für ein bewusstes und nachhaltiges Konsumverhalten ein, das nicht von kurzfristigen Modetrends getrieben wird. Doch auch die Textilanbieter werden in die Verantwortung genommen und so haben sich auf Druck von Greenpeace 79 globale Modemarken verpflichtet, bis 2020 gefährliche Chemikalien durch ungefährliche Substanzen zu ersetzen.

Mehr als 90 Prozent unserer Kleidung kommen aus Asien. Die Textilindustrie setzt bei der Herstellung von Jeans, Shirts und Co. massiv gesundheits- und umweltgefährdende Chemie ein. Die Abwässer aus den Fabriken vergiften in den Produktionsländern vor allem in Asien und Mittelamerika Flüsse und Trinkwasser.

Tipps von Greenpeace, um den Kleiderwandel anzustoßen (und nach denen ich auch seit einigen Jahren handele):

  • Reparieren statt Kleidung und Schuhe wegzuwerfen
  • Kleidung upcyceln, neu kombinieren oder tauschen
  • beim Kauf auf neue Produkte auf Siegel achten, in speziellen Fachgeschäften kaufen und nachfragen, unter welchen Produktionsbedingungen die Stücke hergestellt wurden
  • weniger konsumieren – brauche ich das neue Teil wirklich? = Qualität statt Quantität

Das Interview mit Claudia Kersten von GOTS findet ihr hier.

Change Your Shoes

Während meines Drehs auf der Kleiderwandel-Party habe ich ein interessantes Gespräch mit Berndt von Inkota geführt, sowohl vor als auch hinter der Kamera. “Changes Your Shoes” ist eine Inititative von 18 Menschenrechts- und Arbeitsrechtsorganisationen, die sich für eine nachhaltige und ethische Schuhlieferkette einsetzen.

Klar war mir bisher auch, dass für günstige Schuhe gilt, was auch für günstige Kleidung gilt. Trotzdem wird das Thema Schuhe seltener in den Medien behandelt als die Bedingungen in der Kleidungsindustrie. Das ist mir nun bewusster geworden. Die Volksrepublik China ist mit Abstand das Land mit der weltweit größten Schuhproduktion. Darauf folgen Indien, Vietnam und Indonesien.

Bei einer Befragung durch Change Your Shoes kam heraus, dass 53% der Befragten in China zu Überstunden gezwungen werden. In Indonesien gibt es auch Fabriken, die drei bis vier Überstunden am Tag anordnen, den Arbeitnehmern ist jedoch nicht bewusst, dass es sich dabei um eine Art von Zwangsarbeit handelt. Bei HeimarbeiterInnen fallen oft auch hohe Überstunden an, um ihr Arbeitspensum schaffen zu können, denn sie werden nach Stückpreisen bezahlt – oft müssen die Kinder mithelfen.

Schriftliche Arbeitsverträge für die ArbeiterInnen gibt es selten. Viele können trotz Überstunden von ihrem Lohn nicht die Grundbedürfnisse decken. Viele der indonesischen HeimarbeiterInnen bekommen kaum Ausstattung von der Fabrik, wenn ihre Nadeln, Garn oder Fingerschutz beschädigt sind, müssen sie auf eigene Kosten neue nachkaufen.

Umweltverschmutzung, Menschenrechte bei der Arbeit, Lohn, Arbeitsschutz, Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz – all das sind Themen, die die Schuhproduktion betreffen und über die ich mich mit Berndt unterhalten habe. Aktiv werden kann man zum Beispiel durch das Unterzeichnen der Petition Transparenz statt Versteckspiel.

Kleiderwandel

Ich bin ein riesiger Fan von Tauschpartys. Vor ungefähr drei Jahren haben meine Freundin Daniela und ich zum ersten Mal eine Kleidertauschparty besucht und waren sofort süchtig. Warum? Aus vielen Gründen – zum einen lernt man dort immer nette Leute kennen, kann sich gut unterhalten und hat Spaß, gegenseitig zu tauschen. Es ist schön zu sehen, dass ein Kleidungsstück, dass einem selbst nicht mehr gefällt oder steht an einer anderen Person richtig klasse aussieht. Und man dieses Stück nicht länger im Kleiderschrank sein trostloses Dasein fristen lassen oder gar wegwerfen muss. Es fühlt sich gut an zu wissen, dass man mit Tauschen kostenlos zu neuen Teilen im Kleiderschrank kommt – das schont den eigenen Geldbeutel und ist gut für die Umwelt. Denn die Ausmaße, die die Fast Fashion Mentalität angenommen hat, sind katastrophal: In Deutschland landen jährlich 1,5 Milliarden Kleidungsstücke auf dem Müll. Nur um Platz für noch mehr Billigmode zu schaffen. Jeder Deutsche kauft im Durchschnitt 60 Kleidungsstücke pro Jahr. Davon landen 40% kaum oder gänzlich ungenutzt im Kleiderschrank. Das hat verheerende Auswirkungen auf die Umwelt und auf unsere Mitmenschen. Die Herstellung unserer Kleidung in Ländern wie Bangladesch, China oder Kambodscha führt zu massiver Umweltverschmutzung durch den Einsatz gefährlicher Chemikalien. Der immer schnellere Wechsel unserer Mode und billige Fast Fashion setzen die Arbeiter der Textilfabriken immer mehr unter Druck und führen zu unsäglichen Arbeitsbedingungen und Leid.

 

Dass Mode, die eine lange Reise rund um die Welt hinter sich hat, so günstig sein kann, wird auf dem Rücken derjenigen ausgetragen, die sie herstellen.

Überwiegend sind Frauen in der weltweiten Bekleidungsindustrie beschäftigt, die

  • zu massiven unbezahlten Überstunden gezwungen werden und 10 bis 16 Stunden für einen Lohn arbeiten, der nicht zum Leben reicht
  • miserablen sanitären und gesundheitlichen Bedingungen ausgesetzt sind
  • sich nicht gewerkschaftlich organisieren dürfen
  • bei Krankheit oder Schwangerschaft entlassen werden
  • betroffen sind von Schikanen seitens der Vorarbeiter.

Greenpeace Berlin, Inkota und die CleanClothesCampaign veranstalten einmal im Jahr eine große Kleidertauschparty in Berlin unter dem Motto “Kleiderwandel”. Der KleiderWandel bedeutet, achtsam mit Kleidung umzugehen. So gilt es, beim Kauf nachhaltig produzierte Kleidung zu wählen oder – noch besser – nicht immer Neues zu kaufen, sondern zu tauschen oder Second-Hand-Stücke zu erwerben. Nach diesem Ansatz lebe ich selber nun schon seit fast fünf Jahren und freue mich sehr, dass ich zu diesem wichtigen Thema ein Interview vor Ort bekommen habe!

Den Veranstaltern geht es darum,

Kleidung wieder mehr wert zu schätzen. Was vielen Menschen nicht so bewusst ist, ist dass zahlreiche umweltschädigende Gifte der Textilproduktion die Natur zerstören und dass mit jedem neuen Hemd Chemikalien die umliegende Landschaft nachhaltig schädigen. Dazu kommt, dass diejenigen, die unsere Kleidung, zum Beispiel in Bangladesch herstellen unter menschenverachtenden und gefährlichen Bedingungen arbeiten müssen. Damit das T-Shirt günstig zu erwerben ist, werden bei der Produktion Abstriche gemacht. Somit sehen sich die Arbeiter täglich mit minimalem Lohn, starker Gesundheitsgefährdung und mangelnden Sicherheitsvorkehrungen konfrontiert. Was dringend benötigt wird, ist eine Veränderung der Beziehung zur Kleidung, ein Bewusstsein dafür, was man kauft und welche Auswirkungen ein solcher Kauf mit sich trägt, kurz: ein Kleiderwandel.

In den nächsten Wochen gibt es dann die Einzelinterviews mit Greenpeace, Inkota und Unicef zum Thema Kleiderwandel und warum er unbedingt notwendig ist.

Schaut mal, diese beiden neuen Stücke habe ich auf der Tauschparty ergattert:

  

   

 

Lesetipp: Noch besser leben ohne Plastik

Letztes Jahr habe ich Euch den Ratgeber Besser leben ohne Plastik vorgestellt, diese Woche ist die Fortsetzung erschienen – “Noch besser leben ohne Plastik”.  Im Video erzähle ich Euch, was Euch im zweiten Teil erwartet und welche Aspekte ich besonders spannend finde bzw. was mich schon direkt angeregt hat, in die Tat umgesetzt zu werden.

Noch besser leben ohne Plastik

Nadine Schubert

112 Seiten, 13 Euro

oekom Verlag

ISBN 978-3-96006-015-4

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